Austauschbericht aus Georgia
Das Schuljahr 06/07 verbrachte ich in den USA, Georgia und erlebte dort das lehrreichste Jahr meines Lebens. Es war ein Jahr voller Tiefen und Höhepunkten und mit Erfahrungen, welche ich in keiner anderen Weise hätte machen können und für nichts in der Welt eintauschen würde.
Wie schon gesagt, ich verbrachte ein Jahr in Georgia, in Jefferson, eine typische amerikanische Kleinstadt in einem Südstaat, wie man sie in jedem Hollywood-Film finden kann. Aber meine Zeit verlief dort ganz anders als im Film.
Ich lebte bei einer Gastfamilie mit einer gleichaltrigen Gastschwester in Jefferson, unser Haus stand aber ziemlich genau mitten im Nirgendwo, um uns herum nur Felder und vereinzelte andere Häuser. Es war keine Seltenheit, dass ich mal über 30min mit dem Auto fahren musste um zu einer Freundin zu kommen. Meine Schule war ein ziemlich großer Unterschied zu dieser Schule hier, sie hatte über 1700 Schüler und eine viel größere Klassenauswahl und Freizeitaktivitäten. Einige meiner Klassen waren dort zum Beispiel Theater und Video Broadcasting (Filme selber herstellen).
Ehrlich gesagt fällt es mir sehr schwer sie über Fakten aufzuklären, weil diese sind für mich inzwischen schon völlig belanglos geworden. Ich möchte ihnen lieber über die wundervollen Menschen erzählen, welche ich kennen lernte.
Ich wurde überall mit einem Lächeln und offenen Armen empfangen, ich habe diese Offenheit aber nie als oberflächlich angesehen, wie sie viele nennen. Wenn ich Hilfe brauchte, dann wurde mir gerne geholfen. In den ersten Tagen zum Beispiel verlief ich mich andauernd in der Schule und ging darauf hin zu einem Lehrer um mir zu helfen, er wollte mir gerade den Weg erklären, als eine Schülern mich am Arm packte und sagte, dass sie mich gern dorthin führt. Ein Mal hatte ich mich nach der Schule im Gebäude verlaufen und suchte verzweifelt das Front Office, ich konnte es doch einfach nicht finden, ein Lehrer sah mich dann herum irren, kam auf mich zu und fragte mich einfach: „Sweetie, are you looking for something? You look kinda lost.“ Er führte mich dann lachend zum Front Office und vergewisserte sich dann auch, dass sich jemand um mich dort kümmerte. Ich hatte auch von Anfang an keine Probleme mit den anderen Schülern in Kontakt zu kommen, alle waren offen und haben mich immer gleich angesprochen und mit mir geredet. Natürlich hat es auch viel Initiative von meiner Seite gebraucht.
Mich faszinierte die Gelassenheit und Herzlichkeit der Amerikaner. Es sind die warmherzigsten Menschen, welche ich jemals kennen gelernt habe und nie vergessen werde. Sie haben immer ein Lächeln für einen übrig oder ein nettes Wort. Sie stehen für das ein, woran sie glauben, sie lieben ihre Familie über alles, sie sind die am härtesten arbeitenden Menschen, welche ich kenne und beschweren sich trotzdem nie. Ich verbrachte nie einen Tag in der Schule, es gab immer jemanden mit dem ich reden konnte, die Wochenenden verbrachte ich oft bei Freundinnen bei einer Pjama-Party oder wir waren bei der Mall oder machten irgendetwas anderes. Ich werde aber nie vergessen mit was für einer Herzlichkeit ich überall empfangen wurde und wie die Amerikaner mir beibrachten, mal ein bisschen optimistischer zu sein und es einfach mal gemütlich zu nehmen, immerhin: Everything’s gonna be alright.
Ich lernte in Georgia, wenn ich Lust habe zu tanzen, dann soll ich es tun, wenn ich Lust habe zu singen, dann soll ich es tun, wenn ich Lust habe zu weinen, dann soll ich es tun. Ich lebe nur ein Mal, man sollte dieses eine Mal nicht mit lästigen Dingen verbringen.
In Georgia fand ich einen Ort, wo ich weiss das ich hin gehöre und immer willkommen sein werde und ich freue mich schon auf diesen Februar, weil ich weiss, dass ich dann wieder mit meinen Freunden einfach im Auto durch die Gegend fahren kann, unseren lieblings Radiosender hören, die Fenster sind offen und wir einfach das Leben genießen.